Wie der Kiwi seine Flügel verlor

Guten Tag, da meldet sich die Nathalie wieder

 

Heute stand das Wildlife Center auf dem Programm. Auch hatte ich gehört, dass in der Nähe vom Franz Josef Glacier eine Höhle im Wald geben sollte, wo man Glühwürmchen sehen konnte. Yaaay! Ich sehe doch noch meine Glühwürmchen! Aber was ich sonst zu meinem „Glück“ noch holen sollte, davon ahnte ich nichts. Vorerst nichts.

Nach einem guten Frühstück ging ich los. Das Zentrum war nicht sehr weit weg von meinem Hostel, nur etwa 4-5 Minuten, wenn man gut zu Fuss ist. Der Eintritt kostet 39.- NZ§ doch es ist ein 24-Stunden-Pass, das heisst, du kannst so oft wiederkommen wie du willst innerhalb von 24h. Es gab auch noch einen weiteren Pass, bei dem du auch noch hinter die Kulissen blicken konntest, aber den nahm ich vorerst noch nicht.

Im Zentrum selbst, konnte man, nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, zwei Kiwis in einem Auslauf beobachten. Sie waren ganz süss, aber man durfte keine Fotos machen, da es sie erschrecken könnte. Nach dem Auslauf gab es noch einen Film über die Rettung der Kiwis (sie sind vom Aussterben bedroht), ein Infobrett über ihre Feinde und ein kleines Museum von der Gegend. Und danach ein Souvenirshop. Ich ging nach dem Zentrum noch ein bisschen in die Stadt, auf der Suche nach einem Fingerhut.

 

Schliesslich beschloss ich, mich auf die Suche nach der Glühwürmchenhöhle zu machen. Ich lief los, fragte bei ein paar Passanten nach dem Weg und fand schliesslich den Eintritt zum Waldweg. Als ich diesen betrat, sah ich nach einer Weile einen einheimischen Vogel. Keine Ahnung, welcher es war, es war interessant, ihn zu beobachten, aber schwierig, ihn zu fotografieren. Nachdem ich den Vogel eine Weile beobachtet hatte, ging ich weiter. Es war ein recht schöner Weg, doch man läuft ziemlich lang, besonders wenn man, wie ich, immer wieder anhält, um Fotos zu machen. Dann wurde er plötzlich schmaler und stieg an. Ich genoss aber den Aufstieg.

Schliesslich kam ich bei der Höhle an, die etwas versteckt hinter einem Holzgerüst lag. Mir wurde zwar gesagt, dass man am besten die Schuhe und die Socken auszieht und dass das Wasser sehr kalt sei. Aber natürlich dachte ich, ich wisse es besser und betrat mit meinen Turnschuhen die Höhle und das kleine Bächlein. Und es kam, wie es kommen musste. Wasser lief in meine Schuhen und ich musste sie und die Socken ausziehen. Verdammt – Das Wasser ist eiskalt! Gletscherwasser, was hatte ich erwartet? Brennend heiss? Na ja, nicht SO kalt!

Nachdem ich ein bisschen geklappert hatte, lief ich tiefer in die Höhle. Es wurde immer wie dunkler, und ganz sicher schlich sich ein Monster an mich ran. Nee, Spass beiseite! Dann sah ich endlich ein Glühwürmchen! Nämlich im Form eines grünen Lichts. Voller Staunen betrachtete ich es, dann ging es so schnell wie möglich zurück. Meine Güte, fror ich an meinen Zehen!

 

 

Da ich das gemacht hatte, kehrte ich zurück zum Wildlife Center und nahm noch ein Hinter-den-Kulissen-Ticket. Zu meiner Überraschung traf ich noch drei andere Schweizer, die an dieser Tour teilnahmen. Schliesslich kam eine Mitarbeiterin des Zentrums und führte uns eine Treppe hinunter. Sie zeigte uns ein paar Filme, erklärte, wie die Kiwi-Eier zum Zentrum kamen und wie die älteren Kiwis zur Steward-Island gebracht wurden. Diese Insel ist noch frei von ihren Feinden, also können sich die Kiwis hier gut entwickeln, vor allem die Rowi-Kiwis, eine der kleinsten Kiwi-Arten in Neuseeland. Wir sahen ein Röntgenbild, dass ein weiblicher Kiwi mit einem Ei darstellte. Die Eier sind riesig! Auch wenn man sie mit einem Hühnerei vergleicht, sieht man, dass sie gross sind. Welche Geschichte mir aber am besten geblieben ist, ist die:

Die Vorgesetzte der Mitarbeiterin kam nach drei Wochen zurück und sah nach den Kiwis. Bei der Sitzung sagte sie: „Mein Gott, sind die zwei fett geworden!“ Wir alle lachten, dann zeigte sie uns die Jungtiere. Nach der Führung ging ich noch mal zu den zwei „dicken“ Kiwis und kehrte dann ins Hostel zurück.

Am darauffolgenden Tag wusste ich nicht, was ich machen wollte. Nur etwas wollte ich ganz sicher tun: nämlich nochmal das Wildlife Center zu besuchen. So lief ich wieder zum Zentrum und besuchte die beiden Dickerchen. Was ich noch sagen wollte: Unter den Informationen befindet sich auch diese schöne Legende von den Māoris:

 

Tāne Mahuta, der Gott des Waldes, ging einmal fröhlich durch den Wald spazieren. Als er plötzlich bemerkte, dass die Bäume, die er so liebte, von Insekten befallen waren und deshalb erkrankten. Deshalb rief Tāne alle Vögel zu sich und sprach zu ihnen:

„Ihr Vögel, seht, die Insekten haben die Bäume befallen und sie krankgemacht! Wollt ihr mir nicht helfen und am Boden leben?“

Keiner der Vögel antwortete ihm. Schliesslich fragte Tāne Tui, doch dieser weigerte sich, da er die Dunkelheit fürchetete. Auch viele anderen weigerten sich, bis der Gott des Waldes den Kiwi fragte. Dieser stimmte zu. Voller Freude, fand Tāne, dass er den kleinen Vogel doch warnen sollte. Er sprach:

„Kiwi, wenn du dies tust, so bedenke: Dir werden dicke Beine wachsen, damit du die Erde brechen kannst. Du wirst deine Flügel verlieren.  Und du wirst nie wieder zurückkehren können zum Blätterdach. Willst du trotzdem zu mir runterkommen?“

„Ich will, Tāne Mahuta!“, sprach der Kiwi.

Der Gott freute sich riesig und sagte:

„Durch dein grosses Opfer, solltest du, Kiwi, der beliebteste Vogel werden.“

Zu den anderen, die er fragte und die verneinten, hatte er keine so netten Worte. Tui hatte jetzt als Zeichen seiner Feigheit zwei Federn an seiner Kehle und auch die anderen kamen nicht besser weg. Die Vögel, die keine Hilfe angeboten hatten, konnten nur eine bestimmte Zeit lang singen. Und diese Tatsache, machte einen kleinen Vogel so traurig, dass er weinte und Tāne rührte, damit dieser ein wenig die Bestrafung lockerte.

 

Eine schöne Geschichte, oder? Dies ist allerdings die Kurzfassung. Wer die ganze Geschichte lesen will, kann ja noch im Internet umschauen. Und wer Englisch kann, dem lege ich das Buch „How the Kiwi lost its wings“ ans Herz. Ein schönes, illustriertes Kinderbuch. Danach lief ich durch die Stadt und überlegte, ob ich nicht ein Helikopterrundflug beim Franz Josef Glacier machen wollte. Es war teuer, aber wann habe ich die nächste Chance dazu? Also war es eine beschlossene Sache und ich lief in die Richtung der Büros. Während ich durch die Stadt lief, sah ich etwas, dass mich sehr belustigte: die Mystery-Machine aus Scooby-Doo! Oh, ich liebe diese Serie!

 

 

In einem der Büros fragte ich nach einem Helikopterflug. Dummerweise war es schon etwas spät und es hing davon ab, ob genug Leute sich dafür anmelden würden. Ich hatte leider Pech. Der Flug wurde gestrichen. Und bis morgen konnte ich auch nicht warten, da es zur nächsten Stadt geht. Ihr dürft gerne gespannt sein, welche es sein wird.

 

Also, bis dann!