Sind Autisten ein Gewinn für die Arbeitswelt?

Einen autistischen Menschen kennen wir aus dem Film Rainman mit Dustin Hoffmann. Das war ein Genie, das aber immer aneckte. Vermittelte uns dieser Film ein realistisches Bild von Autisten? Ich finde: Nein. Und ich kann es beurteilen: Ich bin selber Autist.

Kennen Sie den Film Rainman mit Dustin Hoffmann? Können Sie sich an das Genie erinnern, das er verkörperte? Ein Genie, das zwar brillant mit Zahlen umging, ansonsten jedoch aneckte im Leben? Dieser Film und andere Werke, haben das Bild, das die Gesellschaft von autistischen Menschen hat, geprägt. Doch entspricht dies auch der Wahrheit? Ich sage Ihnen, Autismus ist wesentlich facettenreicher!

Ich bin selber Autist und ich ecke nicht überall an. Ich mag das Sprichwort: «Kennst du einen, dann kennst du einen», denn genau so ist es. Auch Autisten sind Individuen mit völlig unterschiedlichen Charakterzügen. Einige sind Eigenbrötler und zahlenverliebt, andere extrovertiert und künstlerisch. Aber man darf nicht vergessen, dass sie vor allem eines sind, Menschen.

Wie erkennt man Autisten?

Zuerst einen kleinen Exkurs. Wie erkennt man Autisten? Stellen Sie sich vor, Sie rufen einem Arbeitskollegen: «Mach doch nit grad äs Büro uf!» Bei diesem Satz verstehen die meisten Person, die übertragene Bedeutung.

Viele Menschen, die von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sind, haben jedoch Probleme damit den, übertragenen Sinn zu verstehen. Versteht jetzt aber ihr Arbeitskollege den übertragenen Sinn nicht, ist das noch kein ausreichender Hinweis darauf, dass er Autist ist.

Um eine Diagnose im Autismusspektrum zu erhalten muss man eine gewisse Anzahl von spezifischen Verhaltensauffälligkeiten erfüllen. Es gibt folgende drei Bereiche die für eine Diagnostizierung massgebend sind.

 

  • Probleme beim wechselseitigen sozialen Umgang und Austausch (z. B. beim Verständnis und Aufbau von Beziehungen)
  • Auffälligkeiten bei der sprachlichen und nonverbalen Kommunikation (etwa bei Blickkontakt und Körpersprache)
  • Eingeschränkte Interessen mit sich wiederholenden, stereotyp ablaufenden Verhaltensweisen

 

Rund einer von hundert Menschen ist von Autismus betroffen, also schätzungsweise 85000 Personen in der Schweiz. Die Tendenz ist steigend. Viele haben Probleme sich im alltäglichen Leben und in der Berufswelt zurecht zu finden. Mangelnde Erfahrung und Verständnis gegenüber der Thematik fördert deren sozialen Ausgrenzung. Ein Jammer! Denn es geht viel Potential verloren. Zurück zur oberen Frage: Sind autistische Menschen einen Gewinn für die Arbeitswelt?

Meiner Meinung nach, ganz klar, ja! Durch ihr andersartiges Denken und feine Empfindungsweise nehmen Betroffene Umstände oft anders wahr als Personen ohne Diagnose. Dadurch können Sie Probleme anders angehen und unerwartete Ergebnisse erzielen. Sie bringen Abwechslung in den Betrieb und es ist eine bereichernde Erfahrung für alle Mitarbeitenden. Menschen mit Autismus sind oft sehr loyal und pflichtbewusst. Viele von ihnen sind im Informatikbereich berufstätig. Sie können sich sehr lange mit derselben Aufgabe beschäftigen und sich fest darauf konzentrieren. Sobald sie sich für ihre Arbeit begeistern, tauchen sie regelrecht darin ab. Dadurch sind hohe Leistungen zu erwarten und in ihren Spezialinteressen sind Autisten oft überdurchschnittlich begabt. Auch in anderen Branchen können Sie mit ihren Fähigkeiten glänzen. Ein offener, unvoreingenommener Arbeitgeber, der den Betroffenen eine Chance gibt und sich mit der Thematik auseinandersetzt, kann durchaus von deren Qualitäten profitieren und gibt so auch ein modernes Beispiel von einer gelungenen Vielfältigkeit innerhalb des Unternehmens ab.

Möchten Sie mehr zu dem Thema erfahren? Auf autismus.ch finden Sie viele Informationen und können sich durch Fachkräfte beraten lassen.

Die Stiftung autismuslink unterstützt Menschen mit einer Diagnose aus dem Autismus Spektrum oder einer anderen Entwicklungsverzögerung darin, ihr Potenzial zu erkennen und individuelle Lösungen zu erarbeiten, um im Arbeitsmarkt Fuss fassen zu können. autismuslink.ch

 

Artikel von Stefan Bachofner, Lernender Präsidialdirektion Stadt Bern, 3. Lehrjahr| Original veröffentlicht von Wirtschaftsraum Bern mit der Erlaubnis von Stefan Bachofner.