Lissabon, Portugal, 1. Tag

Wie das Datum irgendwie andeutet, war der 13. April wohl der blödeste Ferientag, zumindest der, an dem ich am wenigsten Freude verspürte. Auch wenn ich genau an dem Tag vor 19 Jahren entstanden war, war das kein Grund zum Feiern. Denn in Lissabon kamen wir erst um 16 Uhr an. Und als wir von Bord gehen wollten, standen Hunderte Ausflügler bereit und wollten das Schiff verlassen. Da wir keinen Bock auf diese Schlangen hatten, setzten wir uns in die Bar, aber besser wurde das nicht. Erst um 18 Uhr konnten wir dann so langsam das Schiff verlassen.

Ich hoffte ja schon, dass ich einen super coolen portugiesischen Schlüsselanhänger finde, der sich über den sehr frustrierenden EM-Sieg 2016 immerhin gefreut hatte, so dass ich dem das gönnen könnte. Aber als wir durch die Strassen liefen, fanden wir nicht einen Shop, der Souvenirs hatte. Ich fühlte mich nicht, als wäre ich in einer Stadt. Es waren einfach nur ein paar mit Graffitis besprayte «Kifferquartiere». Ich fühlte mich nicht am richtigen Fleck. Dabei wollten wir ja in die Stadt! Dummerweise hatten wir nicht auf meinen Vater gehört, der Bus fahren wollte, da meine Mutter und meine Schwester und auch ich der Meinung waren, laufen sei gesünder. Doch wir fanden einfach nichts und der Stadtplan war für jemand Aussenstehenden total unübersichtlich.

Nachdem wir also ein paar Stunden erfolglos durch die Hässlichkeit latschten, fand ich mit Entsetzen einen Souvenirshop. Leider war er auf der anderen Strassenseite und kein einziger Fussgängerstreifen war in Sichtweite! Auch das noch! Wir gingen also ein paar 100 Meter nach vorne, überquerten eine Strasse, deren Ampel ewig rot gewesen war, und liefen den ganzen Weg zurück! Doch als ich den Shop betrat, stellte ich fest, dass das alles ein Reinfall war, die hatten nur so total hässliche filigrane Schlüsselanhänger mit so Hühnern drauf oder mit Drehdingern, die uralt aussahen, und Ornament-Anhänger, die einfach nur aus Plastik waren und super billig verarbeitet! Ich beschloss also, überhaupt nichts zu kaufen, und wir liefen wieder weiter.

Im 3. Souvenirladen wurde ich aber endlich fündig. Ich kaufte mir einen Schlüsselanhänger mit so einem gitarrenähnlichen Instrument aus Metall. Er war kaffeebraun und hatte dunkelbraune Töne dran. Es stand Lisboa auf dem Anhänger drauf, so konnte man sogar sehen, woher der kam. Der war die Nummer 421. Ausserdem kaufte ich noch eine Postkarte für meinen Grafiker-Chef Luca, die ein cooles Layout zeigte. Ich dachte, die gefällt ihm sicher, da viele Bildchen der Stadt mit einem coolen Design aufgezeigt wurden.

Nachdem ich meinen Schlüsselanhänger endlich hatte, sah ich dann viele Souvenir-Läden, die aber nicht mehr Dinge nach meinem Geschmack zeigten. Ich fand noch einen schönen schlichten Schlüsselanhänger für Luca, da er sich so einen vor den Ferien gewünscht hatte und noch keinen besass. Meine Mutter fragte mich, ob ich mir sicher sei, dass er ihm gefalle, was mich erst verunsicherte. Doch ich hörte auf mein Herz und das sagte, der wird ihm eh gefallen, weswegen ich den kaufte. Ich kaufte auch noch eine coole Postkarte mit Ornamenten und einer Katze drauf, die ich in mein Zimmer aufhängen wollte.

Ich habe zwar am 13. April nicht gerade viel Schönes gesehen. Doch immerhin habe ich einiges gekauft. Meine Postkarte hängt im Zimmer, Luca hat sich riesig über seine Karte gefreut und sein Schlüsselanhänger hängt an seinem Schlüsselbund. Trotzdem war der Tag für mich sehr frustrierend, weswegen ich auch keine Fotos davon festhalten wollte.

Auch wenn ich nichts Überzeugendes fand, hat sich Luca sehr über den Schlüsselanhänger gefreut, den ich an diesem langweiligen Tag für ihn gekauft habe. Er hängte ihn an seinen Schlüsselbund. Da hat der Tag dann immerhin etwas Positives…