autismuslink gratuliert zum erfolgreichen Lehrabschluss!

Das Leitbild unserer Stiftung hält fest, dass unser inhaltlicher Schwerpunkt insbesondere in der Thematik „Integration in den Arbeitsmarkt“ von Jugendlichen und Erwachsenen mit Autismus liegt. Damit dieses Vorhaben gelingen kann, ist es von grosser Bedeutung, dass diese Menschen überhaupt eine Ausbildung absolvieren können.

Seit 2013 bieten wir deshalb neben anderen Eingliederungsmassnahmen auch Ausbildungen an, die auf die spezifischen Bedürfnisse von Personen mit einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum zugeschnitten sind. Ziel ist es, unseren Lernenden in den Bereichen Informatik, Mediamatik und KV optimale Rahmenbedingungen zu bieten, sodass sie ihre Ausbildung erfolgreich abschliessen können.

Die betriebliche Ausbildung führen wir hier direkt an unserem Standort in Bern durch, während der überbetriebliche Teil (Berufsfachschule und ÜK) von uns organisiert und extern durchgeführt wird. Das Ziel ist es, dass unsere Lernenden ihre Fähigkeiten mithilfe individueller Unterstützung optimal entfalten können und so ihren Lehrgang erfolgreich abschliessen können. Ihnen steht etwa während der ganzen Ausbildung ein Coach zu Seite, der sie mit Rat und Tat unterstützt und sich mit den Ausbildungsverantwortlichen regelmässig austauscht.

 

Einer unseren ersten Auszubildenden als Informatiker EFZ mit Schwerpunkt Systemtechnik war R.W.  Zunächst durchlief er die Berufliche Abklärung bei uns. Dabei kristallisierte sich heraus, dass R.W. sowohl entsprechende Fähigkeiten als auch das nötige Interesse für den Beruf des Informatikers mitbringt. So nahm er vor vier Jahren an unserem damaligen Standort in Zollikofen seine Lehre in Angriff.

Nun sind diese vier Jahre vorbei. R.W. hat vor kurzem seine Abschlussprüfungen mit Bravour bestanden, dazu gratulieren wir ihm ganz herzlich!

Was waren die besonderen Herausforderungen und Schwierigkeiten während dieser Ausbildung? Was war besonders schön? Welche Erwartungen hat er an seine berufliche Zukunft? Im Interview blickt R.W. auf seine Zeit bei autismuslink zurück und schildert, was ihm besonders gefallen und was ihm Mühe bereitet hat.

 

autismuslink: 4 Jahre Unterrichtsstoff wurden an einem Tag geprüft und du hast dich sehr gut darauf vorbereitet. Warst du trotzdem nervös?

R.W.: Ja, ziemlich. Ich war zudem nervös, weil die Prüfungen zwei Jahre vorher nicht so gut gelaufen sind. Damals hat mich vieles abgelenkt.

 

alink: Was war diesmal anders?

R.W.: Durch den Nachteilsausgleich habe ich einen separaten Raum zur Verfügung bekommen, bzw. mit einem bis zwei anderen Schülern. Zudem hatte ich etwas mehr Zeit zur Verfügung. Dadurch war ich weniger abgelenkt.

 

alink: Die Freude darüber, dass du bestanden hast, war bestimmt gross. Wie hat deine Familie reagiert?

R.W.: Sie waren sehr zufrieden und auch erleichtert, dass ich die Prüfungen bestanden habe. Wir haben dann zusammen gefeiert.

 

alink: Du warst ganze 5 Jahre bei autismuslink und bist somit der erste Informatik EFZ Lernende, der hier den Abschluss macht. Was hat dir an der Lehre hier bei uns besonders gefallen?

R.W.: Ich habe bereits die Berufliche Abklärung bei autismuslink gemacht. Ich konnte anschliessend daran direkt in die Lehre einsteigen. Für mich war es gut, dass ich am gleichen Ort bleiben konnte. Die Rahmenbedingungen hier waren auch gut. Es war vergleichsweise ruhig und man begegnete mir mit Verständnis.

Ich hatte zuvor eigentlich wenig Interesse am Inhalt der Informatik, da ich wenig darüber wusste. Dieses ist aber mit der Zeit gewachsen.

 

alink: Du wolltest ja zunächst Geschichte, Geologie oder etwas Ähnliches studieren. Fiel es dir schwer von dieser Idee loszulassen?

R.W.: Zuerst schon. Später fiel es mir dann weniger schwer, da mir die Inhalte der Lehre immer bekannter wurden und ich mich richtig mit der Thematik auseinandersetzen konnte.

 

alink: Hat dir in der Lehre bei autismuslink auch etwas gefehlt?

R.W.: Es fehlte etwas die Konstanz. Die Ausbildungsverantwortlichen haben gerade am Anfang sehr oft gewechselt. So gab es immer wieder Veränderungen und es war nicht immer eine Ansprechperson da.

 

alink: Gab es etwas in der Lehre, was dir besonders Mühe oder Schwierigkeiten bereitet hat?

Ich war drei Jahre lang in einer Spezialklasse an der Berufsfachschule. Im letzten Jahr wurde diese aufgelöst und ich in eine Regelklasse versetzt. Im Gespräch wurde vereinbart, dass ich auf die Regelklasse vorbereitet werden würde und ich zuvor ein paarmal den Unterricht dort besuchen kann. Leider war das zu wenig der Fall. Es fehlte mir die Kennenlernphase.

 

alink: Am Anfang wart ihr nur 2 – 3 Lernende in der Informatik. Die Abteilung ist stetig gewachsen. Wie war das?

R.W.: Für mich hat es keinen grossen Unterschied gemacht, da zuvor auch viele Leute in der Spezifisch Beruflichen Abklärung waren. Allerdings war es gut, dass wir in der Hälfte meiner Lehrzeit noch den Standort gewechselt haben, denn am Standort Zollikofen wurde es etwas eng.

 

alink: Du hast bei uns auch die Ergänzungsmodule Sport, SOKO und Kunst besucht. Hat dir das gefallen?

R.W.: Es war ein guter Ausgleich und es haben mir alle drei Module gefallen.

 

alink: Für dich geht es jetzt weiter mit Jobcoaching und Praktikums- bzw. Stellensuche. Freust du dich nun etwas Neues anfangen zu dürfen?

R.W.: Ich freue mich darauf, bin aber froh, wenn die Stellensuche dann vorbei ist.

 

alink: Wirst du etwas hier besonders vermissen?

R.W.: Das ist schwer zu sagen, da ich noch nicht genau weiss, wo es hingeht.

 

alink: Hast du für zukünftige Lernende Tipps oder Ratschläge für die Lehre?

Tipps habe ich nicht wirklich. Aber ich wünsche mir, dass eine gewisse Konstanz bleibt und dass man auf Lernende zugeht. Lernende sollen aber die Präsenzzeit der Ausbildner auch nutzen, um Fragen zu stellen.

 

alink: Wir danken Dir für dieses Interview und wüschen Dir bei der Jobfindung viel Erfolg.

ILLUSTRATION: YASMIN DOGAN