Asperger-Syndrom

Im Unterschied zu den anderen Formen des Autismus sind beim Asperger-Syndrom in den ersten Lebensjahren keine nennenswerten Einschränkungen der sprachlichen und kognitiven Entwicklung festzustellen. Auffälligkeiten im sozialen und kommunikativen Verhalten zeigen sich in einem geringeren Ausmass, weshalb diese Form des Autismus in der Regel etwas später, also nicht schon im frühen Kindesalter, diagnostiziert wird.

 

In vielen Fällen sind Menschen, welche die Diagnose Asperger-Syndrom erhalten haben, in ihren Bewegungen etwas ungeschickt. Sie können zudem sensorisch überempfindlich reagieren, so beispielsweise auf grelles Licht, besondere oder auch alltägliche Geräusche oder Berührungen.

Aufgrund ihrer oft guten kognitiven Fähigkeiten sind die Menschen mit Asperger-Syndrom häufig in der Lage, den Alltag weitgehend selbstständig zu bewältigen. Zudem können sie über sehr hohe Kompetenzen in Beruf und Alltag verfügen. Menschen mit Asperger-Syndrom können oft unter angepassten Bedingungen hervorragende Leistungen bei Arbeiten erbringen, bei welchen beispielsweise Systematik und hohe Aufmerksamkeit gegenüber Details verlangt sind – ihr Potential wird vielfach unterschätzt.

 

Obwohl sich die diagnostischen Kriterien des Asperger-Syndroms genau umschreiben lassen, kann die Abgrenzung sowohl zu „neurotypischen* Einzelgängern“ als auch zu psychiatrischen Störungsbildern schwierig sein. Bei Kindern zeigen sich überdies oft eine ausgeprägte Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen, auch Tic-Störungen können vorkommen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind zudem beispielsweise häufig Depressionen oder auch Zwangsstörungen neben dem Asperger-Syndrom möglich. Diese Symptome können teilweise so gravierend sein, dass sie die typischen Merkmale des Asperger-Syndroms überdecken und eine Diagnose erschweren.

 

*neurotypisch: Neologismus; Bezeichnung für eine Person ohne Diagnose aus dem Autismus-Spektrum