Autismus macht die Jobsuche zur Herausforderung

Leigh ist 39-Jahre alt, hat einen IQ von 145, einen Master in Bibliothekswissenschaft und findet keinen Job. Aufgrund von Sparmassnahmen hat er seine Arbeit in einer Bibliothek in Boston verloren und war nun rund 8 Jahre arbeitslos. Die einzige Arbeit die er fand, war eine Teilzeitstelle als eine Art Hauswart zu einem Stundenansatz von 11$.

Leider ist Leigh nicht der Einzige, dem es so geht. Bei Umstrukturierungen oder Sparmassnahmen sind es oft diejenigen, welche aus der Reihe tanzen, die dies als erstes zu spüren bekommen. Obwohl Leigh nur eine leichte Form von Autismus hat, fällt es ihm schwer eine neue Stelle zu finden. Oft nimmt er Ausschreibungen zu wörtlich: Wird bloss ein Bachelor-Abschluss verlangt, vergisst er prompt seinen Master überhaupt zu erwähnen. Auch in Bewerbungsgesprächen neigt er dazu, zu ehrlich und direkt zu sein. Viele Arbeitgeber schreckt dies ab. Er sagt selbst, er komme zu gut zurecht, als dass sein Autismus als Behinderung angesehen wird – aber nicht gut genug, um mit den sozialen Ansprüchen klarzukommen.

Leigh ist intelligent und arbeitet hart. Bis er seine Stelle verlor, wohnte er allein und kam gut zurecht mit Boston, der Stadt in der er lebte. Er ging jeweils zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr wohin er musste. Mit Verlust seiner Arbeit war er aber gezwungen, wieder ins Elternhaus zu ziehen, wo er die Zeit nutzte, eine neue Stelle zu finden.

Er versendete 20-30 Bewerbungen alleine für Arbeit in Bibliotheken. Wegen seines Autismus und dem hohen IQ wurde ihm aber immer wieder vorgeschlagen, es in der Informatik- und sich im Programmieren von Applikationen zu versuchen. Doch Leighs Leidenschaft waren schon immer Bücher und Vögel. Auch Menschen mit Autismus sind unglaublich unterschiedlich, seien es die Interessen, das Wissen oder die Fähigkeiten, welche sie mitbringen. Es ist eben ein Spektrum. Und gerade weil Menschen aus dem Spektrum oftmals Mühe mit sozialen Kontakten haben, neigen sie dazu, die Arbeit zu priorisieren.

 

“I’ve heard over and over that they tend to be the first to arrive, the last to leave, the hardest workers, and people who bring out the best in their co-workers”

Denise Resnik, Mitgründerin des “Southwest Autism Research & Resource Center”

 

Wie weiter?

2016 bekam Leigh Unterstützung der Organisation Cape Abilities, die ihn auf der Jobsuche begleiteten und ihm halfen, seine Unterlagen zu überarbeiten. Eine Beraterin bei Cape Abilities, sowie auch Leighs Mutter, sind der Meinung, dass viele Menschen mit Autismus enorm profitieren könnten, wenn sie einen Coach hätten, der sie hin und wieder bei der Arbeit begleitet und berät, um erste Hürden, insbesondere soziale, zu überwinden. Ein Coach würde helfen Barrieren zu überbrücken und auch später Probleme zu lösen, bevor sie zu gross werden.

Von Januar bis August in diesem Jahr hatte Leigh die Chance eine Teilzeitarbeit zu verrichten. Diese Stelle war leider befristet, was Leigh wieder an den Anfang zurückversetzt, doch er hat sich nie darüber beschwert, sondern hofft weiterhin auf eine Chance.

 

Die ganze Geschichte von Leigh im Detail kann man im Original auf Slate nachlesen (Englisch)

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